Über die Verwerfungen am John F. Kennedy Center for the Performing Arts, dem nationalen Kulturzentrum der amerikanischen Hauptstadt, und die Absage des Gastspiels von EUREKA DAY (DIE NEBENWIRKUNGEN) von Jonathan Spector
Zur Absage von Jonathan Spectors Stück Eureka Day im Kennedy Center nach Trumps Machtübernahme
Das geplante zweiwöchige Gastspiel der Broadway-Produktion von Eureka Day (dt. Die Nebenwirkungen) von Jonathan Spector im John F. Kennedy Center in Washington, DC wurde offiziell abgesagt. Die Absage erfolgte, nachdem Präsident Donald Trump am 12. Februar den Vorsitz des Vorstands des Centers übernommen hatte.
EUREKA DAY, das in einer privaten, linksliberalen Grundschule in Kalifornien spielt, die von einem Mumpsausbruch betroffen ist, reiht sich in eine Liste von Absagen ein, zu denen z.B. auch eine Veranstaltung mit dem Gay Men's Chorus of Washington, D.C. gehört, die ursprünglich für Ende Mai geplant war und den Auftakt zu den landesweiten Feierlichkeiten zum Pride Month bilden sollte.
Auch der Broadway-Megahit HAMILTON hat bevorstehende Aufführungen im Kennedy Center abgesagt. Jeffrey Seller, der Produzent der Show, begründete die Absage am Mittwoch mit Trumps Umstrukturierung und seiner „Anti-Woke“-Vision für die Zukunft des Zentrums.
Trump, der während seiner ersten Amtszeit mit der Tradition brach und den jährlich vom US Präsidenten verliehenen Kennedy Center Honors fernblieb, nachdem einige der geehrten Künstler ihn kritisiert hatten, verblüffte die Kulturwelt, als er im Februar beschloss, den Vorstand des Zentrums von allen Biden-Ernannten zu säubern und sich selbst als Vorsitzenden einzusetzen, wodurch er den Finanzier David M. Rubenstein, den größten Spender des Zentrums, verdrängte.
Wie die Medien berichten, haben sich mehrere Künstler vom Kennedy Center abgewandt, nachdem Trump die Führung des Kennedy Centers entlassen hatte. So traten z.B. die Opernsängerin Renée Fleming und die Drehbuchautorin und Produzentin Shonda Rhimes von ihren Positionen als künstlerische Berater innerhalb der Organisation zurück.
Der gesamte Vorstand des Kennedy Centers besteht nun aus von Trump ernannten Personen, und die ehemalige Präsidentin der Organisation, Deborah Rutter, wurde durch den Trump-Anhänger Richard Grenell ersetzt. Grenell äußerte sich erstmals öffentlich zu seinen Plänen als neuer Leiter des Kennedy Center. indem er erklärte, dass eine „große Veränderung“ eine „riesige Feier der Geburt Christi zu Weihnachten“ sein würde. Auf die Frage, warum Trump ihn für den Job ausgewählt habe, beschrieb sich Grenell als Kulturliebhaber, der „eine ganze Reihe verschiedener Kunststile“ schätze. Auf die Frage wiederum, wie seiner Meinung nach die ideale Aufführung im Kennedy Center aussehen würde, antwortete er: „Dolly Parton.“ Er beschrieb seine Vision für das Kennedy Center mit vertrauten Worten: „We want to make art great again."
Die Vorgänge am Kennedy Center und die Absage von „Eureka Day“ - das als Satire über das politisch korrekte, linksliberale Bürgertum beginnt und sich hin zu ernsthaften Diskussionen über Gemeinwohl und den Umgang mit wissenschaftlichen Fakten verschiebt und das die Komplexität und Widersprüchlichkeit zeitgenössischer kultureller Debatten überzeugend einfängt - sind beunruhigende, ernstzunehmende Zeichen der Zeit. In den Worten von Nachtkritik anlässlich der deutschsprachigen Erstaufführung der Nebenwirkungen am Burgtheater im September 2023: "Hier geht's um nicht weniger als die Demokratie selbst.“
Aber Protest formiert sich und nimmt fürs Erste z.B. die Form, dass Vizepräsident Vance kürzlich beim Besuch eines Konzerts im Kennedy Center vom Publikum lautstark ausgebuht wurde.
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